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Obstbäume im Spätwinter richtig schneiden: So fördern Sie Wachstum und Ertrag

VonOliver Hummel

Apr. 4, 2025

Ein frostfreier Tag gegen Ende des Winters ist der ideale Zeitpunkt, um Obstbäume zurückzuschneiden und sie für die neue Saison fit zu machen. Denn genau jetzt – kurz vor Beginn der Wachstumsphase – befinden sich die Bäume noch in der Winterruhe, was den Schnitt besonders schonend und effektiv macht.

Warum ein Schnitt im Spätwinter sinnvoll ist

Ein fachgerechter Rückschnitt sorgt nicht nur für eine schöne Kronenform, sondern hat vor allem eine pflegende Funktion: Er regt das Wachstum an und sorgt für eine reiche Blüte – und damit auch für mehr Früchte. Während Kernobstsorten wie Apfel, Birne oder Quitte sowie Beerensträucher am besten zwischen Januar und März geschnitten werden, empfiehlt sich bei Steinobst wie Aprikose oder Süßkirsche ein Schnitt direkt nach der Ernte im Sommer. Wer zu spät im Jahr zur Schere greift, riskiert eine schlechte Blütenbildung und geringeren Fruchtertrag.

Ab März ist – sofern keine Vögel im Baum nisten – nur noch ein leichter Pflege- und Formschnitt erlaubt. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet zwischen dem 1. März und dem 30. September das radikale Zurückschneiden oder Entfernen von Gehölzen.

Die richtige Schnitttechnik: gezielt und schonend

Besonders wichtig ist die korrekte Schnittführung, um die Wundheilung zu fördern und Fäulnis zu vermeiden. Geschnitten wird stets knapp über einer Knospe, die nach außen zeigt – so wächst der neue Trieb in Richtung Licht. Ganze Äste sollten möglichst dicht am Stamm oder über einer Verzweigung entfernt werden, um das Wundgewebe optimal heilen zu lassen.

Dabei gilt: Nicht wahllos schneiden, sondern mit Bedacht. Astgabeln sollten vermieden werden, da sich hier Wasser sammeln und Fäulnis entstehen kann. Auf den Einsatz von Wundverschlussmitteln wird heute meist verzichtet, da sie die Feuchtigkeit einschließen und so Pilzkrankheiten wie Obstbaumkrebs begünstigen können. Lediglich bei großen Schnittflächen über zehn Zentimetern Durchmesser kann der äußere Rand mit einem geeigneten Mittel behandelt werden.

Welche Äste müssen weg?

Obstbäume sollten eine pyramidenförmige Struktur aufweisen – also oben schmal und unten breiter. Dadurch gelangt ausreichend Licht bis in die unteren Bereiche. Beim Schneiden werden folgende Äste entfernt:

  • nach innen wachsende Triebe, die andere Äste behindern

  • nach unten hängende Äste, die unter Fruchtlast brechen könnten

  • sich überkreuzende Äste, die aneinander reiben

  • steil nach oben schießende Wassertriebe

  • ältere Äste, die seit Jahren Früchte getragen haben

  • tote oder von Rehen beschädigte Äste

  • Bereiche der Krone, die zu dicht gewachsen sind

Ein praktischer Tipp: Markieren Sie vor dem Schneiden die Äste, die erhalten bleiben sollen – etwa mit farbigen Bändern. So behalten Sie die Struktur im Blick. Leittriebe, die auf gleicher Höhe am Stamm entspringen, sollten stets auf dieselbe Länge gekürzt werden, um ein gleichmäßiges Wachstum zu fördern – dieses Gleichgewicht wird auch als „Saftwaage“ bezeichnet.

Junge Obstbäume richtig erziehen

Auch junge Obstbäume benötigen einen gezielten Schnitt. Ziel ist eine einfache, stabile Form mit einem zentralen Mitteltrieb und drei bis vier kräftigen Leittrieben. Überflüssige Triebe werden vollständig am Astring entfernt. Die Leittriebe sollten gleichmäßig um den Mitteltrieb verteilt und leicht nach außen gerichtet sein. Sie werden nur leicht eingekürzt – idealerweise auf eine einheitliche Länge. Der Mitteltrieb selbst bleibt etwa 15 Zentimeter länger als die übrigen.

Auf das richtige Werkzeug kommt es an

Für saubere Schnitte sind scharfes und hygienisches Werkzeug unerlässlich. Für dünnere Zweige bis 1,5 Zentimeter eignet sich eine klassische Gartenschere. Dickere Äste werden mit einer Astschere oder Säge entfernt – idealerweise mit Teleskopverlängerung, um auf eine Leiter verzichten zu können. Für große Äste bietet sich eine Bügelsäge oder alternativ eine Stichsäge an.

Schädlingsschutz nicht vergessen

Schon im Winter lohnt es sich, Leimringe an den Stämmen anzubringen. Sie schützen die Bäume zuverlässig vor Schädlingen wie Ameisen, Blattläusen und dem Frostspanner. Laub, das im Herbst von Pilzkrankheiten befallen wurde, sollte über den Hausmüll entsorgt werden, um eine erneute Infektion durch überwinternde Sporen zu verhindern. Und nicht zuletzt: Bei längeren Frostperioden den Wasserbedarf der Bäume nicht unterschätzen – gelegentliches Gießen kann nötig sein, wenn der Boden nicht durchgehend gefroren ist.

Mit diesen Maßnahmen starten Ihre Obstbäume gesund und kräftig in den Frühling – und danken es Ihnen mit einer reichen Ernte.